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Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel

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Ausgabe vom 05. April 2017

Workshop zur mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung im Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel

(BG) Am 24.03.2017 fand im Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel eine von DigitalEurope (Europäischer Verband von IT-Unternehmen), T3 Europe (europäischer Verband der Lehrer in MINT-Fächern), European Schoolnet (europäisches Netzwerk von Bildungsministerien), Texas Instruments und dem Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel organisierte Podiumsdiskussion zum Unterricht in MINT-Fächern (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) statt.

Sachsen wurde auf dem Podium durch Andrea Neubert vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus vertreten. Die Teilnehmer betonten unisono, dass angesichts des drohenden oder bereits vorhandenen Fachkräftemangels im IT-Bereich die Anstrengungen zur Vermittlung digitaler Kompetenzen deutlich erhöht werden müssten.

Saskia van Uffelen, CEO von Belux Ericsson, konstatierte zunächst, dass diejenigen, die über Programme zur Entwicklung digitaler Kompetenzen entscheiden, häufig nicht wirklich digital kompetent seien. Hieran gelte es zu arbeiten. Van Uffelen, die als sogenannter Digital Champion, Belgien in einer Expertengruppe der Europäischen Kommission zu digitaler Kompetenz vertritt, glaubt nicht, dass neue Programme oder Strategien gebraucht würden, sondern zunächst müsse man die Entscheidungsträger fortbilden und begeistern. Zu dieser Gruppe gehörten auch die Schulleiter. Wenn Schulleiter die Relevanz digitaler Bildung erkannt hätten und sich dafür einsetzten, würde sich eine Schule auf den Weg zu mehr digitaler Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern machen. Digitale Kompetenz sei weit mehr als Programmieren, dazu zähle auch die digitale Sicherheit, die meist sträflich vernachlässigt werde. Das beruhigende Fazit ihres Vortrags war, man solle vornehmlich die bestehenden Ansätze weiterentwickeln bzw. bündeln, um ein Verständnis von digitaler Kompetenz auf allen Ebenen zu vermitteln. Ein besonderes Augenmerk müsse allerdings auf Gender-Aspekte gelegt werden, um mehr Mädchen für MINT-Fächer zu interessieren.

Marc Durando, Geschäftsführer des European Schoolnet, legte einen Fokus auf die notwendigen Anstrengungen in der Lehrerbildung. Ein Drittel aller Lehrer in Europa sei über 50 Jahre alt, in einigen Mitgliedstaaten seien es gar bis zu 50 %. In den nächsten 10 Jahren müssten europaweit 2 Millionen neue Lehrer eingestellt werden. Insbesondere bei den MINT-Fächern fehle der Nachwuchs und auch die Attraktivität des Berufs sei eher unterdurchschnittlich. Akademiker mit Abschlüssen im MINT-Bereich würden sich häufig andere Berufsfelder suchen. Durando beklagte außerdem, dass die Lehrpläne weiterhin zu vollgepfropft wären, es mehr innovative Lehrmethoden bräuchte und selbst, wenn diese vorhanden wären, die Examina mit den Unterrichtsmethoden nicht Schritt gehalten hätten. Der sächsische Ansatz, einen experimentellen Anteil im Abitur vorzuschreiben, stieß bei den Teilnehmern auf ungläubiges Staunen.

Katja Maaß, Direktorin des internationalen Zentrums für MINT-Bildung in Freiburg legte ihr Hauptaugenmerk auf den Unterricht in der Schule. Es gäbe eine Vielzahl von zusätzlichen Angeboten in Forschungseinrichtungen, Stiftungen oder privaten Initiativen, doch zunächst einmal sei die Gesellschaft und damit die Schule für eine bessere MINT-Bildung verantwortlich. Frau Maaß beklagte, dass es im Unterricht nicht gelinge, das reale Leben und den Unterricht miteinander zu verknüpfen. Die zu lösenden Probleme wirkten abstrakt, fernab von den zu lösenden Alltagsproblemen. Sie monierte außerdem den fehlenden fächerverbindenden Unterricht. MINT sei mehr als die Summe seiner Teile, auf die Interdependenzen zwischen den Fächern komme es an.

Andrea Neubert stellte die sächsische MINT-Strategie vor. 63 % der sächsischen Kindergärten und KiTas nehmen am Projekt »Haus der kleinen Forscher« teil, ein Spitzenwert in Deutschland. Beim »Haus der kleinen Forscher« handelt es sich um eine Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die fragend-forschende Haltung bei Kindern zu fördern, Talente und Potenziale im MINT-Bereich zu entdecken und einen reflektierten Umgang mit technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu begünstigen.

Frau Neubert führte weiterhin aus, dass Sachsen in allen Schularten auf einen hohen Anteil mathematisch-naturwissenschaftlicher Bildung Wert lege und schon seit 1997 auf digitale Medien im Unterricht setze. Zunächst wurde der graphikfähige Taschenrechner eingeführt und dann mit der Lehrplanreform von 2004 auch das Computer-Algebra-System. Sachsen hat den neuen Medien angepasste Abituraufgaben entwickelt, in denen die Nutzung des Taschenrechners Voraussetzung war. Sachsen war und ist Vorreiter in der Mediennutzung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht und war deshalb zu Recht Gastgeber dieses Workshops.

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