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Ausgabe vom 12. Oktober 2011

Brüsseler Fachtagung befasst sich mit Kolenstoffspeicherung bei Agrarkulturen

(Marie-Therese Leschke/MG) Am 21.09.2011 fand im Hanse-Office in Brüssel, ein Expertengespräch zum Thema »Treibhausgasminderung in der Landwirtschaft« statt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Fachvorträge, die sich mit Ansprüchen und Herausforderungen der Klima- und Umweltpolitik an die zukünftige Landwirtschaft befassten.

Prof. Dr. Hans Joosten von der Universität Greifswald referierte ausführlich über Moorböden und ihre Bedeutung als Hotspots in der landwirtschaftlichen Klimapolitik.

Er legte dar, dass die weltweite Ausdehnung von Moor-Ökosystemen insgesamt 4 Mio. km2 in Anspruch nimmt, was flächenmäßig etwa 3 % der Erde beträgt. Dennoch speichern Moore 500 Gigatonnen Kohlenstoff im Torf. Das entspricht dem zweifachen Kohlenstoffvorrat der gesamten weltweiten Waldbiomasse.

Moore zeichnen sich hauptsächlich durch ihre Fähigkeit der Kohlenstoffspeicherung im Torf aus. Als besonders raum-effektive Kohlenstoffspeicher unter den terrestrischen Ökosystemen enthalten sie in der borealen Zone sieben mal und in den Tropen zehn mal mehr Kohlenstoff pro Hektar als andere Ökosysteme.

Um sowohl die Festlegung als auch die Bindung des Kohlenstoffs im Moor zu gewährleisten, ist eine permanente Wassersättigung erforderlich. Wenn Moore entwässert, abgebaut oder gar durch Land- und Forstwirtschaft übernutzt werden, wandeln sich diese gewaltigen Kohlenstoffspeicher zu kräftigen Quellen von Kohlendioxiden und Lachgas um.

Dieser Prozess der Umfunktionierung von Treibhausgassenken zu Treibhausgasquellen ist erheblich und führt zu enormen CO2-Emissionen.

Weltweit emittieren degradierte Moore mehr als 2 Gigatonnen (2 Milliarden Tonnen) CO2 pro Jahr. Prof. Dr. Joosten berichtete, dass diesbezüglich seit 1990 ein Anstieg um mehr als 25 % zu verzeichnen ist.

Die Europäische Union zählt derzeit neben Südostasien zu den Hauptverursachern und trägt hierzu jährlich 174 Megatonnen CO2-Emissionen bei. Deutschland verzeichnet immerhin 32 Megatonnen CO2 pro Jahr.

Es ist somit ein vorrangiges Ziel des Klimaschutzes, die Funktionsfähigkeit von Mooren zu erhalten. Insbesondere eine Wiedervernässung dieser Ökosysteme ist sehr effektiv, um Emissionen zu verringern, da aus den umweltschädlichen Kohlenstoff-Quellen wieder Kohlenstoff-Senken werden können.

Bei der Lösung dieses Problems kommt der Landwirtschaft in Europa eine besondere Bedeutung zu. Zu nennen sind hier die sogenannten Paludikulturen. Deren gezielter Anbau und landwirtschaftliche Nutzung in Moor- und Feuchtgebieten hat den Torferhalt zum obersten Ziel und wirkt sich nicht nur auf das Klima, sondern auch auf die Wasserwirtschaft sowie die Biodiversität positiv aus. Paludikulturen beinhalten traditionelle Verfahren der Moorbewirtschaftung, schließen aber auch neue Verfahren, wie beispielsweise die energetische Verwertung von Moor- Biomasse mit ein.

Die Europäische Union unterstützt die Landnutzung auf entwässertem Torfland – gegenwärtig in drei verschiedenen Förderbereichen. Zum einen im Umweltbereich zur Erhaltung der Moore durch Pflege und Aufbereitung von entwässerten Mooren ohne Nutzung von Biomasse. Dies wird mit Direktzahlungen gefördert.

Zum Zweiten unterstützen Agrarumweltprogramme die biologische Landwirtschaft auf stark entwässertem Grünland und – zum Dritten – kann über Förderungen im Bereich der erneuerbaren Energien entwässertes Torfland zum Anbau von »Bioenergiepflanzen« genutzt werden.

Um diese Maßnahmen gezielt umsetzen zu können, werden Investitionszuschüsse für hydrologische Umstrukturierungen, den Erwerb von angepassten Maschinen, die konkrete Entwicklung von Produktionslinien sowie eine genaue Produktplatzierung benötigt und gewährt.

Zusammenfassend machte Prof. Joosten nochmals deutlich, dass man mit Paludikulturen die wesentlichen ökologischen Funktionen von Mooren als Kohlenstoffspeicher, Wasserregulator und Träger besonderer Biodiversität mit der Gewinnung von nützlicher Biomasse kombinieren kann. Deshalb seien heute Moorentwässerungen grundsätzlich nicht mehr zu verantworten.

Für den Anbau derart spezialisierter Kulturen gibt es in Sachsen eine Reihe von Ansatzmöglichkeiten auf feuchtgründigen und anmoorigen Böden – insbesondere im Erzgebirge oder im Elbe-Einzugsgebiet. Dies gilt vor allem auch angesichts einer durch „Greening“- Förderung geprägten zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik.

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